Stimmt eigentlich gar nicht, die Überschrift. Die Hochzeiten sind die Katastrophen. So als 30 + Mensch war ich – rein altersmäßig bedingt – in den letzten Jahren auf sehr vielen Hochzeiten (als Gast!) und meine, mir doch ein Urteil bilden zu können. Einige Unsitten und Fallstricke scheinen sich ja nicht zu vermeiden lassen.....
z.B. Tischordnungen
Man glaubt nicht, wie schwierig es ist, eine gute Tischordnung aufzustellen. Irgendwer passt immer nicht zu seinem Gesprächsnachbarn. Oft stehen eher merkwürdige Gemeinsamkeiten im Vordergrund dieser „Ordnung“: So wurde ich einmal (als "Historikerin") dem „Akademikertisch“ zugeteilt und saß zwischen einem Schweizer Softwareentwickler und einer verhinderten Opernsängerin, die interessante Details aus ihrem Kleinstadt-Chor zu berichten wusste. (Ihre Begabung durften wir in vollen Zügen zuvor in der Kirche genießen.) Ein andermal wurde ich – als Trauzeugin des Ehemanns - gegenüber der Mutter der Braut und einer Freundin des Hauses platziert. Die beiden älteren Damen erzählten mir mit zunehmender Begeisterung Schwänke aus ihrem Leben: Über das Schicksal der Sudentendeutschen in Heidelberger Vororten seit 1950 bin ich jetzt immerhin bestens informiert. Manchmal sitzt man aber auch nur, bei Ecktischen z.B., zwischen Tante Erna und einer Tischdekoration – wer am Ende unterhaltsamer war – da möchte ich kein abschließendes Urteil fällen.
... oder die Hochzeitsbräuche : z.B. Spiele
Es ist wirklich ein Unsitte! Vielleicht liegt es auch daran, dass man mit den Tischordnungen nicht klar kommt und Spiele jeder Art die schleppenden Unterhaltungen am Tisch zwischen dem leicht alkoholisierten Onkel Bernd und der besten Freundin der Braut, Margarete (Oberstudienrätin), verhindern.
Wenn es wenigstens neue und witzige Spiele wären. Aber als versierter Hochzeitsgast weiß ich: Es gibt so im Schnitt 3-4 Spiele, die in kleinen Varianten auf allen Hochzeitsfesten rumgeistern. Meist geht es darum, mehr oder minder anzügliche Fragen an das Hochzeitspaar zu stellen, peinliche Fotos aus der Kindheit auszugraben und herauszufinden „wer die Hosen anhat“ oder die oft schon leicht betrunkenen Gäste zum Tanzen zu bringen.
Na gut, wer’s mag. Ich könnte noch viel lamentieren, über Hochzeitskleider, in denen die Braut wie eine Pellwurst mit Sahnebällchen an jedem Ende aussieht oder über diese unglaublich originellen Hochzeitszeitungen [was ein Markt für uns!! *kreisch*] oder über die Hochzeitsfestchen im ausgebauten Hobbykeller, die dann auch eher den Charme von überreifen Kindergeburtstagen ausstrahlen.
Aber ich habe keine Zeit, unser Steuerberater hatte da eine gute Idee....auf jedenfall werden es bei uns allerhöchstens 50 Leute (wobei ich ja all die Paare nicht vergessen darf, bei denen ich eingeladen war, das macht dann – öhh - )...und natürlich wird bei uns alles ganz anders!
Autorin: Barbara Brecht-Hadraschek